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Archive for 11. April 2011

Literaturtipp

In letzter Zeit habe ich ja mal wieder verstärkt gelesen – nicht nur englische Bücher. Mit einem Paket aus der Heimat kamen nicht nur Milka-Schokohasen, sondern auch ein Buch, auf deutsch, aber mit Handlungsort Neuseeland. Erstere waren schnell verputzt, zweiteres hat nach Tagen des Verschlingens länger gedauert – waren ja immerhin knapp 900 Seiten, die wirklich sehr spannend waren.

Dabei habe ich ziemlich viel über die neuseeländische Geschichte gelernt – das Buch spielt im späten 19. Jahrhundert (1880-1894), zu einer Zeit, in der Maori noch weitgehend unterdrückt und Frauen kaum Rechte hatten, was das Buch ja anschaulich illustriert. 1894, am Ende dieses Buches also, führte Neuseeland jedoch als erster Staat der Welt dauerhaft das passive Wahlrecht für Frauen ein, eine Begebenheit, der sich auch das Buch widmet.

Das heißt übrigens „Im Schatten des Kauribaumes“, geschrieben von Sarah Lark, die anscheinend auch schon mit anderen Neuseeland-Romanen von sich Reden machte. Einer davon ist gewissermaßen der Vorgängerroman („Das Gold der Maori“), der die Geschicke der Elterngeneration zweier Hauptfiguren schildert, auf die ab und an verwiesen wird. Klingt so spannend, dass ich mir das mal gleich besorgen werde irgendwie.

Das Buch ist viel zu komplex, um es hier angemessen zu rezensieren, kurz und knapp wird jedoch die Geschichte dreier junger Frauen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten erzählt, deren Handlungsstränge nach und nach zusammenlaufen.

Da ist die junge Matariki, deren Erzeuger, ein Maori-Häuptling und Anführer einer bewaffneten Widerstandsgruppe („Hauhau“) sie von der Südinsel entführt, wo sie mit ihrer leiblichen Mutter und Ziehvater, Auswanderen aus Irland auf einer Schaffarm in der Nähe Dunedins lebt, in Einklang mit dem dortigen Maori.

Da ist die junge Violet, die ein hartes Leben, erst in England, dann in Neuseeland erdulden muss, weil ihr Vater, Bruder und späterer Mann, alles Bergleute,  schlimme Alkoholiker sind.

Da ist die etwas ältere, aber immernoch jung zu nennende Heather, die in relativen Wohlstand in Dunedin aufwächst, begnadete Künstlerin ist und im Laufe des Romans ihren natürlichen Trieb nachzugehen versteht.

Nur um Nuancen der Hauptpersonen anzureißen, aus deren Sicht sich die Handlung immer weiter verwebt. Drei junge Frauen und Frauenwahlrecht – klar natürlich, dass das Buch feinen feministischen Eindruck macht. Sarah Lark prangert die früheren Gesellschaftszustände an, ist jedoch kein Moralapostel, sondern schreibt ein äußerst spannendes Buch, das ich nicht nur Neuseeland-Interessierten weiterempfehlen möchte.

Bevor ich diese Möchtegern-Rezension abschließe, die nicht das ist, was sie sein könnte :P, sei noch ein Blick auf ein geschichtliches Ereignis geworfen, das im Buch eine wichtige Rolle spielt, heutzutage aber selbst unter Neuseeländern weitgehend vergeßen ist.

Meine Leser kennen sicher Mahatma Gandhi und bringen ihn sofort mit „friedlichen Widerstand“ in Verbindung. Ohne seine Verdienste schmälern zu wollen – einige Jahre vorher hatte das der Maori-Anführer Te Whiti bereits vorgemacht, der Gandhi, der zu diesen Zeitpunkt noch recht jung war, sicher als Inspirationsquelle diente. Jedenfalls baute dieser Te Whiti das Dorf Parihaka auf, ein Maori-Musterdorf an der Westspitze Taranakis, um den Weißen zu zeigen, dass die Maori nicht rückständig seien.

Natürlich drängten damals regelmässig noch Auswanderer ins Land (hat sich ja bis heute nicht geändert ;)), die sich dann auch im damals noch recht unbesiedelten Taranaki ansiedelten, natürlich mit Protest der dort lebenden Maori-iwi (iwi=Stämme). In den Jahrzehnten zuvor gab es dort den ein oder anderen Krieg, Te Whiti führte seinen Widerstand jedoch friedlich aus. So ließ er einfach das komplette fruchtbare Weideland umpflügen, was darauf für die angehenden Siedler wertlos war, wollten diese doch Vieh züchten und nicht Ackerbau betreiben. Ein anderes Mittel war der Bau von Zäunen: die Bewohner Parihakas bauten pausenlos Zäune auf, die weißen Siedler sie genau schnell wieder ab. Das, wie das Pflügen, ließen die sich nicht gefallen und schnell kam es zu den ersten Verhaftungen. Letztlich wurde dann sogar das Dorf Parihaka von der Armee belagert und gestürmt – statt mit Waffen empfingen die Bewohner die weißen Siedler jedoch mit Tanz und Gesang…

Soviel sei dazu gesagt, nur sehr bruchstückhaft natürlich. Wer mehr wissen möchte sollte das Buch lesen (für eine der Hauptpersonen stellt Parihaka nämlich kurzzeitig den Lebensmittelpunkt da) und/oder sich im Internet informieren – die neuseeländische Geschichte kann durchaus mit der ein oder anderen Überraschung aufwarten.

Nun, ich hoffe, vielleicht hat ja jemand tastsächlich Lust bekommen, dieses Buch zu lesen – wie gesagt, ich kann es empfehlen, werde jedoch für die Empfehlung nicht bezahlt 😛

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